Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
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Aktuell

Deutsche und Tschechen setzen auf Begegnungs-Restart

 
 

Zukunftsfonds unterstützt 103 neue Projekte mit 616 000 Euro

Pressemitteilung, 16. Juni 2021

(Prag) Dank des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds können weitere 103 deutsch-tschechische Projektvorhaben aus den Zivilgesellschaften beider Länder umgesetzt werden. Der Verwaltungsrat des Fonds gab dafür am Mittwoch Fördermittel in Höhe von 615 760 Euro frei.


Unter den aktuell bewilligten Projekten des zweiten Jahresquartals sind mehrere größere Kulturfestivals, die im letzten Jahr nur online stattfinden konnten und nun wieder mit Publikum rechnen. Mehrere Projektpartner fühlten sich auch durch das Jahresthema 2021 des Fonds inspiriert und befassen sich gemeinsam mit den Folgen der Pandemie für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit.

„Wir sind froh und erleichtert, dass nach dem langen Lockdown und dem ungewollten Rückzug in den digitalen Raum nun endlich wieder eine Aussicht auf echte, persönliche Begegnungen besteht“, so Jindřich Fryč und Martin Kastler, die beiden Co-Vorsitzenden des Verwaltungsrats. „Und wir sind stolz auf die vielen Menschen in unseren beiden Ländern, die diese harte Bewährungsprobe für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit so bravourös gemeistert und auch im Lockdown die deutsch-tschechische Zusammenarbeit mit großem persönlichen Einsatz am Leben gehalten haben.“ 

 

Auswahl aktuell bewilligter Projekte:


Internationale Konferenz zum Holocaust-Dokumentationszentrum in Mähren

Der Verleger und Schriftsteller Martin Reiner möchte in Brünn ein Dokumentationszentrum für den Holocaust in Mähren errichten. Mithilfe eines eigens dafür gegründeten Stiftungsfonds und der deutschen Partner vom Internationalen Auschwitz Komitee in Berlin soll ein modernes, interaktives Museum entstehen, das der breiten Öffentlichkeit das Schicksal der Juden in Mähren näherbringt.
Als „Kick-Off“-Veranstaltung ist eine internationale Konferenz geplant, auf der renommierte Persönlichkeiten und Fachleute aus dem In- und Ausland über die konkrete Form des Dokumentationszentrums beraten. In einem nächsten Schritt soll dann ein internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden. Ziel ist es dabei auch, mit dem Museum einen neuen architektonischen Akzent in Brünn zu setzen.

Der Zukunftsfonds unterstützt die internationale Konferenz zum neuen Holocaust-Dokumentationszentrum mit einer Fördersumme von 180 000 CZK.

 

Gemeinsames Geschichten-Netz - eine tschechisch-deutsche Vernetzungskonferenz 

Die Brücke/Most-Stiftung und der nordböhmische Verein Lužický horský spolek bringen auf einer eintägigen Vernetzungskonferenz deutsche und tschechische Akteure zusammen, die sich der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte in der nordböhmisch-sächsischen Grenzregion widmen.
Hintergrund dieses Vorhabens ist die Beobachtung beider Partner, dass in diesem Bereich zwar mehrere größere Organisationen wie Antikomplex, Post Bellum oder der Adalbert-Stifter-Verein sichtbar sind, viele kleine Initiativen und Einzelpersonen aber parallel und unbemerkt an den gleichen Themen arbeiten.
Aus der Konferenz soll ein gemeinsames Geschichten-Netz hervorgehen, das die bestehenden Initiativen miteinander verbindet und Synergien bestmöglich nutzt.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben im Rahmen seines Jahresthemas 2021 mit einem Beitrag von 5.500 EUR.

 

 

Die Veröffentlichung des Buches Felix Kolmer: Erinnerungen

Das tschechische Auschwitz-Komitee legt eine zweisprachige Publikation vor, die dem Leben und Werk von Prof. Dr. Felix Kolmer gewidmet ist. Kolmer überlebte als Jugendlicher den Holocaust mit all seinen Schrecken und ist heute ein international geschätzter Physiker. Nach 1989 engagierte er sich sozial und politisch vor allem für die Entschädigung tschechischer NS-Opfer sowie für die Aufklärung über den Holocaust auf höchster Ebene, unter anderem als Vize-Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. Er ist sein Leben lang fest in der Pfadfinderbewegung verwurzelt. Die Publikation soll Kolmers humanistische und intellektuelle Botschaft vermitteln und basiert auf einer Reihe von Interviews der Journalistin Kateřina Mázdrová (Respekt), ergänzt durch persönliche Beiträge von Freunden und Kollegen und durch Fotografien von Libor Fojtík. Projektpartner ist das Internationale Ausschwitz Komitee, das sich auch um die Distribution des Buches in Deutschland kümmern wird.

Der Zuschuss des Zukunftsfonds zu dieser Publikation beträgt 150.000 CZK.

 

Landart-Treffen Königsmühle 2021 - Zehn Jahre Revitalisierung eines nicht mehr existierenden Dorfes im Erzgebirge

In einem Landart-Festival erwecken der tschechische Verein DoKrajin und die
Lichtfabrik e.v. aus Annaberg-Buchholz den verschwundenen Grenzort Königsmühle bei Loučná im Erzgebirge für die breite Öffentlichkeit zum Leben. An die frühere Ortschaft erinnern heute nur noch die Ruinen von sechs Häusern, das Gelände wird das ganze Jahr über von deutschen und tschechischen Freiwilligen gepflegt und etabliert sich dank deren Einsatz zu einem immer beliebteren Ausflugsziel.
Der diesjährige 10. Jahrgang des Festivals soll neben Veranstaltungen für Kinder, Konzerten, Präsentationen von Landart-Künstler/-innen, Vorträgen und Workshops auch Diskussionen zu den deutsch-tschechischen Beziehungen beinhalten, zudem werden zwei Bücher über die Geschichte des Ortes präsentiert. Vor dem Festival selbst findet wie immer ein einwöchiges deutsch-tschechisches Work-Camp für freiwillige Helfer statt.

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Landart-Festival mit 250.000 CZK.

 

Workshop Loci Sacri
 

Der westböhmische Verein Domaslav und das Institut für Lebensbezogene Architektur e. V. aus Furth im Wald bringen in einem zweitägigen Workshop Deutsche und Tschechen zusammen, die sich aktiv im Bereich Denkmalschutz engagieren und sakrale Baudenkmäler in ihrer Umgebung pflegen. Allein in der Diözese Pilsen gibt es hunderte von Kirchen, die vielfach in desolatem Zustand sind und nicht mehr für liturgische Zwecke genutzt werden können. Ein Großteil von ihnen steht unter Denkmalschutz, der Pfarrei fehlen jedoch die Mittel zur Instandsetzung und die Gemeinden wollen sie oft nicht in ihre Verwaltung übernehmen. In dem Workshop wollen die Teilnehmenden gemeinsam längerfristige Perspektiven und Konzepte entwickeln, um die sakralen Orte vor dem Verfall zu retten und dabei umweltfreundliche Verfahren anzuwenden.

Der Zukunftsfonds fördert den Workshop im Rahmen seines Jahresthemas 2020 mit einem Betrag von 52 500 CZK.

 

 

Prager Theaterfestival deutscher Sprache, 26. Jahrgang

Das Prager Theaterfestival deutscher Sprache hat sich in der tschechischen Kulturszene als innovatives Kulturereignis etabliert, das prägende Impulse setzt und beim Prager Publikum auf große Resonanz stößt. Nachdem das Festival im letzten Jahr nur digital stattfinden konnte, hoffen die Organisatoren für den diesjährigen Jahrgang wieder auf die klassische Präsenzform. Bei der Dramaturgie des Festivals setzen die Veranstalter dabei weiterhin auf Ensembles, die experimentierfreudig sind und auf das aktuelle Geschehen reagieren. Im Begleitprogramm ist erneut die Plattform theatertreffpunkt prag eingeplant, auf der Theaterleute aus Mittel- und Osteuropa mit führenden deutschen Theatermachern und Fachleuten ins Gespräch kommen. Als Schlüsselinszenierung des diesjährigen Jahrgangs ist die international gefeierte Inszenierung „Das achte Leben (für Brilka)“ vom Hamburger Thalia-Theater, dem Festivalpartner, vorgesehen.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Festival als Generalpartner mit 110.000 Euro.

 

Das Filmfest 16 (2021)

Das Filmfest bringt in seinem 16. Jahrgang erneut deutschsprachige Gegenwartsfilme nach Prag und Brünn und ermöglicht dem tschechischen Publikum so einen Einblick in das aktuelle Filmgeschehen aus den deutschsprachigen Nachbarländern. Nach der Pandemie bedingten Online-Ausgabe im letzten Jahr ist der diesjährige Jahrgang wieder in seiner ursprünglichen Form konzipiert und präsentiert ca. 40 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme. Darunter etwa eine moderne Adaption von Alfred Döblins Romanklassiker „Berlin Alexanderplatz“ (1929) oder der Film „Entfant Terrible“, ein Porträt des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder. Unter den Festivalgästen wird auch Oscar-Regisseurin Caroline Link mit ihrem neuesten Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ erwartet, der teilweise vor der Kulisse Prags gedreht wurde.
Tschechischen Schulen soll im Rahmen des Festivals ein Online-Programm angeboten werden. Als Vorgeschmack auf das Festival ist für die Ferienmonate in Prag und Brünn ein „Sommerkino“ geplant.

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Filmfestival mit 350.000 CZK.

 

Das letzte Kapitel der Geschichte der Welt

Mit einem künstlerischen Forschungsprojekt reagiert das Prager Theater Studio  Hrdinů in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Katharina Schmitt auf die Situation von deutschen und tschechischen Schauspielern während der Covid-19 Pandemie. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie Schauspieler mit der sozialen Isolation klargekommen sind. Dazu werden mehrere Interviews mit deutschen und tschechischen Schauspielern geführt, die dann als Grundlage für eine Soundinstallation im öffentlichen Raum dienen und zudem als Buchpublikation erscheinen sollen. Darüber hinaus ist eine Inszenierung im Studio Hrdinů unter der Regie von Katharina Schmitt geplant, die einerseits vom Textmaterial der Interviews, andererseits von Heinrich von Kleists Essay Über das Marionettentheater ausgeht.  

Der Zukunftsfonds unterstützt das Projekt im Rahmen seines Jahresthemas 2021 mit einer Fördersumme von 380 000 CZK.

 

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Mail: silja.schultheis@fb.cz
Tel: +420 737 505 790
www.zukunftsfonds.cz


 

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