Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
česky deutsch

Aktuell

Zukunftsfonds fördert deutsch-tschechische Zusammenarbeit in der Baudenkmalpflege

 
 

Zukunftsfonds gibt 1,1 Millionen Euro für 129 neue deutsch-tschechische Projekte frei

Pressemitteilung, 5. Dezember 2019

(Prag) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt weitere 129 deutsch-tschechische Projekte von Bürgern beider Länder. Der Verwaltungsrat des Fonds gab dafür am Mittwoch in Prag Fördermittel in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro frei.

Unter den bewilligten Initiativen sind auch mehrere Dialog-, Publikations- und Schulprojekte, die sich mit der gemeinsamen deutsch-tschechischen und europäischen Geschichte auseinandersetzen.
Zudem widmen sich viele der im letzten Jahresquartal beantragten Projekte traditionell der Renovierung verfallener deutscher wie jüdischer Baudenkmäler und Friedhöfe in Tschechien – von Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Agenda des Zukunftsfonds.
„Deutsch-tschechische Zusammenarbeit bei der Renovierung vernachlässigter Kirchen und Grabmäler stärkt das Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte. Wir tun gut daran, uns mit unserer gemeinsamen Geschichte auseinanderzusetzen, wenn wir daraus lernen wollen“, unterstrichen die beiden Verwaltungsratsvorsitzenden Jindřich Fryč und Martin Kastler.  

Auswahl aktuell bewilligter Projekte:

XXVIX. deutsch-tschechisches Brünner Symposium - Dialog in der Mitte Europas

Das Brünner Symposium zählt zu den größten regelmäßigen Dialogforen im deutsch-tschechischen Bereich. Einmal im Jahr bringen die Ackermann-Gemeinde e.V. und ihr tschechischer Partner, Společnost Bernarda Bolzana, Persönlichkeiten aus beiden Ländern und unterschiedlichen Bereichen zusammen, um gemeinsam, abseits von tagespolitischen Ereignissen, grundlegende Fragen zur Politik, zu gesellschaftlichen Entwicklungen und zum deutsch-tschechischen Miteinander in Europa zu diskutieren.
Das Thema der diesjährigen Konferenz lautet: Die Kluft zwischen West und Ost in Europa. Ticken wir (immer noch) anders?“ Es wird gefragt, aus welchen Gründen in den letzten Jahren Themen wie die Energiewende, Migration und die Diskussion um Werte wie Humanität und Offenheit sowie nationale Identität und Sicherheit zu einer neuen Spaltung führen könnten.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 14.000 Euro

 

Václav Havel in München

Der Münchner Adalbert Stifter Verein und die Václav-Havel-Bibliothek in Prag erinnern in mehreren Podiumsdiskussionen mit Zeitzeugen sowie in Schüler-Workshops an die wegweisende Rolle von Václav Havel für die Neukonstituierung der deutsch-tschechischen Beziehungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Aktueller Aufhänger ist der 30. Jahrestag der ersten Auslandsreise Havels als tschechoslowakischer Präsident im Januar 1990 nach München und Ost-Berlin. Bereits damals thematisierte Havel offen die Vertreibung der Sudetendeutschen in der Nachkriegszeit und betonte die Bedeutung guter nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen als Grundbaustein der europäischen Integration. In den geplanten Diskussionen soll auch der aktuelle Stand der deutsch-tschechischen Beziehungen erörtert werden.

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Vorhaben mit einer Summe von 2.800 Euro.

 

"Die Weiße Rose": Ein Projekt

Schüler des Paul-Pfinzing-Gymnasiums Hersbruck und des Josef-Jungmann-Gymnasiums aus Litoměřice beschäftigen sich während eines dreitägigen Treffens mit dem deutschen antifaschistischen Widerstand und speziell mit der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“.
In Hersbruck wie auch in Litoměřice befanden sich Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. Insbesondere das Hersbrucker Gymnasium räumt der Auseinandersetzung mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs seit langem einen wichtigen Platz im Lehrplan ein.
Aktueller Anlass dieser Begegnung ist das Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Hersbruck. Die Schüler sehen sich in diesem Zusammenhang auch die Aufführung der Oper „Die Weiße Rose“ in Nürnberg an. Nach der Vorstellung haben sie die Möglichkeit, mit den Darstellern zu diskutieren. Dabei sollen folgende Fragen im Vordergrund stehen: Was ist Widerstand? Und was bedeutet Widerstand heute? 

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 4.000 Euro.

 

Damit Inklusion Normalität wird

Das Romain Rolland Gymnasium Dresden und die Základní škola Ostrožská Nová Ves möchten in zwei neuntägigen Begegnungen deutsche und tschechische Jugendliche für die in beiden Ländern heiß diskutierte Inklusionsthematik sensibilisieren und persönliche Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichen. Konkret sind etwa der Besuch einer Förderschule und einer Behindertenwerkstatt sowie der „Unsichtbaren Ausstellung“ (für Sehbehinderte) in Prag und des Dresdener Hygienemuseums geplant, die Teilnahme am Projekt „Wir bauen Brücken – Menschen mit Handicap im Alltag und in der Schule“, aber auch gemeinsames Musizieren, Tanzen und Sporttreiben.
Das Projekt greift das Jahresthema des Zukunftsfonds auf („Mach mit! Gesellschaftliche Trennlinien überwinden!“).

Der Zukunftsfonds fördert das Projekt mit 233.000 CZK.

 

So macht man Frühling #4

Das Bremer Kulturfestival "So macht man Frühling" hat sich innerhalb nur weniger Jahre zu einer der lebendigsten Plattformen für den deutsch-tschechischen Kulturaustausch in Deutschland etabliert. Mit einem bemerkenswert breit aufgestellten, genreübergreifenden Programm bieten das Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit und der Verein „Globale“ seit 2017 dem Bremer Publikum  – Hunderte Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt - frische Einblicke in die tschechische Kulturszene und bringen immer neue Künstler aus beiden Ländern zusammen. Dabei setzen sie von Beginn an auf eine kontinuierliche Erweiterung und Innovation des Festivals.
Der Schwerpunkt des vierten Jahrgangs liegt auf der Musik. Geplant sind mehrere Konzerte unterschiedlicher Genres – Folklore, Jazz, Pop, Oper - ergänzt durch Lesungen, Ausstellungen, Theater und Diskussionen. 

Der Zukunftsfonds fördert das Projekt mit 15.000 Euro.

 

Publikation des Buches von Peter Lange: Die Familie Mann und die Tschechen

Der Prager ARD-Korrespondent Peter Lange beleuchtet in einer umfangreichen Monographie mit zahlreichen Bilddokumenten die Beziehung der Familie Mann zu den Tschechen. Im Vordergrund steht der Nobelpreisträger Thomas Mann, der auf der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft annahm. Die Geschichte der Familie Mann zeigt, dass Deutsche und Tschechen sich auch in Zeiten nationaler Entzweiung nicht nur feindlich gegenüberstanden und die Tschechoslowakei sich aktiv für Verfolgte des NS-Staates eingesetzt hat. Diese noch zu wenig bekannte Rolle der Tschechoslowakei will der Prager Vitalis-Verlag mit der Herausgabe des Buches bekannt machen, ergänzt durch Lesungen und Vorträge.
Der Autor Peter Lange wurde bereits 2018 für seinen Radiobeitrag über die Beziehung der Familie Mann zu den Tschechen mit dem Deutsch-tschechischen Journalistenpreis ausgezeichnet.

Der Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Förderung in Höhe von 8.000 Euro.

 

Rettungsarbeiten an beschädigten oder durch Erosion gefährdeten Grabsteinen im jüdischen Friedhof in Terešov

Der alte jüdische Friedhof in der Nähe von Terešov bei Rokycany (Westböhmen) ist das einzige Andenken an die hier einst zahlenstarke jüdische Gemeinde. Die schönen, umfangreichen Grabaufschriften dokumentieren beispielhaft die Ankunft der jüdischen Bewohner in der Region.
Gegenwärtig befindet sich das gesamte Friedhofsgelände in einem desaströsen Zustand. Fast die Hälfte der Grabsteine ist umgestürzt oder zerbrochen, so gut wie alle weisen Spuren von Beschädigung auf, sei es durch Erosion oder durch Vandalismus.
Obwohl sich die Föderation der jüdischen Gemeinden in der Tschechischen Republik als der gegenwärtige Eigentümer des Friedhofs bereits seit 2002 um seine schrittweise Rettung und Wiederherstellung bemüht, konnten viele erforderliche Arbeiten aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht realisiert werden. Mit Unterstützung des Zukunftsfonds wird jetzt ein weiterer Schritt zur Rettung der beschädigten Grabsteine unternommen.

Der Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Förderung in Höhe von 300.000 CZK.

 

Fertigstellung des Glockenturmes und Schornsteins in der Einsiedelei

Die Reparatur des Glockenturms ist Teil eines größeren Projekts mit dem Ziel, ein Kulturdenkmal aus dem 18. Jahrhundert und zugleich ein einzigartiges Beispiel einer Einsiedelei der Iwaniter auf tschechischem Gebiet zu restaurieren. Dank der Bürgerinitiative Zachraňme teplickou poustevnu, z.s. könnte hier künftig auch eine Ausstellung entstehen, die an die Geschichte dieses seltenen Barockdenkmals und an die bislang noch wenig bekannte deutsch-tschechische Geschichte der Stadt Teplice nad Metuji erinnert. Das Projekt trägt zudem zur Festigung der unlängst geknüpften Kontakte zu früheren Landsleuten aus dem Heimatkreis Braunau Sudetenland e.V. bei.
Eine verstärkte symbolische Bedeutung erhält diese Bürgerinitiative zur Rettung und Zugänglichmachung eines verfallen Kulturdenkmals dadurch, dass in der Nähe der Kirche kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der örtliche Dekan und ein weiterer Bürger deutscher Nationalität ermordet wurden.

Der Zukunftsfonds unterstützt die Restaurierung mit einer Summe von 90.000 CZK.

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Mail: silja.schultheis@fb.cz
Tel: +420 283 850 512
GSM: +420 737 505 790
www.zukunftsfonds.cz

 
zurück
 
 
Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds