Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
česky deutsch

Aktuell

 
 

Tschechen und Deutsche renovieren Dutzende verfallener Kulturdenkmäler und verwandeln sie in Begegnungsorte

Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds unterstützt 103 neue Projekte mit 1,06 Millionen Euro

Pressemitteilung, 2. Dezember 2020

(Prag) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unterstützt die Zusammenarbeit zwischen den Bürgern beider Länder in weiteren 103 gemeinsamen Projekten.  Der Verwaltungsrat des Fonds bewilligte dafür am Mittwoch auf seiner vierteljährlichen Sitzung in Prag ein Gesamtfördervolumen in Höhe von 1 061 998 Euro.

Unter den geförderten Projekten sind mehrere Projekte zum Jahresthema 2020 des Zukunftsfonds sowie neue digitale Begegnungsformate, die sich trotz der pandemiebedingten Beschränkungen umsetzen lassen.

Rund ein Drittel der im letzten Jahresquartal bewilligten Vorhaben kommt aus dem Bereich Denkmalpflege. Darunter sind auch mehrere Baudenkmäler, deren längerfristige Renovierung nun mit Hilfe des Zukunftsfonds abgeschlossen werden konnte und die künftig als Orte der deutsch-tschechischen Begegnung dienen.

„Wenn Tschechen und Deutsche in gemeinsamer Anstrengung verfallene Kulturdenkmäler Instand setzen, dann geht es dabei nicht nur um den materiellen Erhalt unseres gemeinsamen Kulturerbes. Es spiegelt sich darin vielmehr auch das Bewusstseins für gemeinsame kulturelle, geistige und moralische Werte. Wir täten gut daran, uns von ihnen auch bei der Bewältigung aktueller Krisen leiten zu lassen“, betonen die beiden Verwaltungsratsvorsitzenden Jindřich Fryč und Martin Kastler.

Auswahl aktuell bewilligter Projekte:

OnlineChallenge - Eco Edition - Deutsch-Tschechisches Digitalprojekt

Der Anfang 2020 gegründete Verein 'Prostor pro rozvoj' (Raum für Entwicklung) ist einer der aktivsten Projektemacher im Bereich Jugend und Schule während der Pandemie. Gemeinsam mit dem niedersächsischen Jugendwerk e.V. plant er nun eine Fortsetzung des Projekts 'Online Challenge', mit dem er im Frühjahr sehr kurzfristig auf den Corona-Lockdown reagiert hatte. Das Folgeprojekt widmet sich thematisch dem Jahresthema 2020 des Zukunftsfonds. In mehreren deutsch-tschechischen Online-Workshops und Zoom-Begegnungen tauschen sich die Teilnehmer zu Themen aus dem Bereich Umweltschutz und nachhaltiger Lebensstil aus, stellen selbst ökologische Produkte her und dokumentieren ihre Erkenntnisse anschließend in einem deutsch-tschechischen Manual. Teil der Begegnung ist auch eine Sprachanimation, die das erste Kennenlernen vereinfacht.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit 150 000 CZK.


Zukunft Nachbarschaft 2021

Das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im bayerischen Schönsee hat auch in Corona-Zeiten aktiv neue Projektformate erprobt, um gezielt jüngere Menschen aus Deutschland und Tschechien für die deutsch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit zu begeistern. In den letzten zwei Jahren wurden mit Unterstützung des Zukunftsfonds bereits eine grundlegende Aktualisierung der zweisprachigen Kulturdatenbank bbkult.net und eine verstärkte Präsenz in den sozialen Medien umgesetzt. Nun sollen Technik und Ausstattung schrittweise erneuert und die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert werden, um das CeBB als attraktiven, modernen Begegnungsort für Netzwerk-, Diskurs- und Informationsveranstaltungen auszubauen.

Der Zukunftsfonds gewährt für dieses Vorhaben eine Fördersumme von 25 000 Euro.


Aufbau KulturDača - Teil 3

Das Kulturzentrum Řehlovice, einer der wichtigsten Akteure deutsch-tschechischer Vernetzung weit über Nordböhmen hinaus, plant den Ausbau zu einer ganzjährig betriebenen KulturDača. Sie soll Raum für die Umsetzung verschiedenster deutsch-tschechischer Kulturformate bieten. Dank der Flexibilität des Teams um Lenka Holíková ist es trotz der Corona-Pandemie gelungen, auch 2020 die Gestaltung des Geländes als Lern- und Begegnungsort weiter voranzutreiben. Für 2021 ist unter anderem die Arbeit an zwei Räumen für Wechselausstellungen geplant. Außerdem sollen die Möglichkeiten für eine Nutzung im Winter analysiert werden, damit die KulturDača ganzjährig zu einem wichtigen attraktiven Anlaufpunkt in der Region werden und durch seine Einnahmen die Weiterfinanzierung der Aktivitäten des Zentrums sichern kann.

Der Zukunftsfonds unterstützt die strukturelle Weiterentwicklung des Kulturzentrums mit einem Fördervolumen von 20 520 Euro.


Ausstellung TOYEN. Rahmenprogramm und wissenschaftliche Publikation

Die Hamburger Kunsthalle plant in Kooperation mit der Prager Nationalgalerie und des Pariser Museums für moderne Kunst die erste Gesamtausstellung der tschechischen Malerin Toyen (bürgerlicher Name Marie Čermínová, 1902-1980) außerhalb der Tschechischen Republik. Obwohl eine bedeutende Vertreterin der europäischen Zwischenkriegs-Avantgarde, die zudem während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit außergewöhnliche Zivilcourage bewies, ist die Künstlerin im Ausland bislang weniger bekannt. Begleitend zu der Retrospektive in Hamburg unterstützt der Zukunftsfonds die Herausgabe eines deutschen Ausstellungskatalogs und eines umfangreichen Begleitprogramms mit Lesungen, Diskussionen und Workshops für die breitere Öffentlichkeit.

Der Zukunftsfonds bezuschusst die Herausgabe des deutschen Ausstellungskatalogs mit 15 000 Euro und das Begleitprogramm zur Ausstellung mit 22 000 Euro.


Lipno - ein Spiegel der Geschichte des 20. Jahrhunderts

Der Verein Post Bellum und die Ackermann-Gemeinde planen ein neues Oral-History-Projekt, das die historischen Umwälzungen in der Lipno-Region zwischen 1939 und 1989 in den Blick nimmt. Hier wurden nach der Vertreibung der deutschen Minderheit zahlreiche Dörfer vernichtet, historische Denkmäler abgerissen und später im Zuge der Errichtung des Lipno-Stausees etliche Dörfer und Siedlungen zwangsevakuiert und überflutet. Anhand von Zeitzeugeninterviews und ihrer Dokumentation in einem zweisprachigen Film und einer Ausstellung soll die bewegte und bislang kaum offen diskutierte Geschichte der Region dargestellt werden. Auch örtliche Schulen und Gemeinden werden in das Projekt einbezogen.

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Vorhaben mit einer Summe von 400 000 CZK.


Pan Müller - hier geblieben!

Am Beispiel der Lebensgeschichte von Jan Müller, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als einer von 200.000 Deutschböhmen nicht aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde, möchten der Zittauer Verein Hillersche Villa und die gemeinnützige tschechische Partnerorganisation Centrum sv. Zdislavy in einem Dokumentarfilm exemplarisch die Geschichten von ‚hier gebliebenen‘ Deutschböhmen nachzeichnen. Beleuchtet wird dabei insbesondere die Doppel-Identität des Hauptprotagonisten als Katholik und Deutschböhme in der zunehmend atheistisch geprägten Realität des Staatssozialismus sowie später nach der politischen Wende von 1989. 

Der Zukunftsfonds stellt für dieses Projekt eine Fördersumme von 11 000 EUR zur Verfügung.


Rekonstruktion der ehemaligen Synagoge in Pacov (Patzau)

In einer bemerkenswerten Kooperation wollen der tschechische Verein Tikkun Pacov und der deutsche Arbeitskreis der Freunde und Förderer der Synagoge Pacov (AFFSP) die Renovierung der ehemaligen Synagoge in Pacov einleiten, die Anfang dieses Jahres zum Kulturdenkmal der Tschechischen Republik erklärt wurde.
Die renovierte Synagoge soll später als Bildungszentrum und regionales Museum genutzt werden, das an die Juden und an das in Vergessenheit geratene jüdische Leben in Pacov erinnert. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit Stadtvertretern, Schulen und örtlichen Organisationen geplant. Auch deutsche Schulen sollen künftig in das Programm der Synagoge einbezogen werden.

Der Zukunftsfonds stellt für die Rekonstruktion der Synagoge 700 000 CZK bereit.


Restaurierung des Friedhofskreuzes auf dem Neuerner Friedhof

Auf Initiative ehemaliger deutscher Landsleute der Heimatgemeinde der Stadt Neuern im Böhmerwald wird das Friedhofskreuz auf dem ehemaligen deutschen Friedhof in Nýrsko (Neuern) restauriert. Tschechischer Partner des Vorhabens ist der Verein Národopisný spolek Nýrsko. Nach der Abschiebung der deutschen Bevölkerung war der Friedhof verwahrlost, die Grabsteine wurden größtenteils beseitigt. Erhalten blieben nur das verfallene Kreuz und eine Marienstatue. Die deutschen Landsleute nutzen das Kreuz bei Besuchen in Nýrsko zu Dankgebeten für ihre Verstorbenen, deren Gräber nicht mehr existieren. Das restaurierte Kreuz soll zu einem neuen Denkmal werden – zu einem Symbol der deutsch-tschechischen Versöhnung, Verständigung und neuen Freundschaft.

Der Zukunftsfonds unterstützt die Restaurierung mit einer Summe von 7692 EUR.


Erneuerung des Presbyteriums und der Sakristei in der St. Nikolauskirche in der Gemeinde Šitboř/Schüttwa – Fertigstellung

Dank des Engagements aktiver Bürger aus beiden Ländern und der Unterstützung von  Stadtvertretern ist die St. Nikolauskirche in der Gemeinde Šitboř (Schüttwa), in den letzten Jahren im wahrsten Sinne des Wortes aus Ruinen auferstanden. 2021 soll die Restaurierung dieses Baudenkmals mit der Erneuerung des Presbyteriums und der Sakristei abgeschlossen werden. Vertreter der ehemaligen deutschen Landsleute sind aktiv in die Renovierung eingebunden. Nach Abschluss der letzten Etappe der Instandsetzung soll das Kirchengelände neben Gottesdiensten auch für Kulturveranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen über die Geschichte der Gemeinde, aber auch über verschwundene Ortschaften im Pfarrbezirk Šitboř und die deutsch-tschechische Zusammenarbeit genutzt werden.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 400 000 CZK.
 

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Mail: silja.schultheis@fb.cz
Tel: +420 737 505 790
www.zukunftsfonds.cz

 
zurück
 
 
Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds