Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
česky deutsch

Aktuell

Symbolischer Postentausch zwischen der Prager Nationalgalerie und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

 
 

Im Zuge der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) tauschen die Generaldirektoren zweier renommierter Museumsverbünde – der Národní galerie (Nationalgalerie) Prag und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – für einen Tag symbolisch ihre Posten. Der Direktor der Prager Nationalgalerie wird nach Dresden fahren, wo ihm seine Kollegin Marion Ackermann bereits am 9. Mai ihren Sessel überlässt. Beide haben somit Gelegenheit, Vergleiche bei der Leitung dieser zwei wichtigen Kultureinrichtungen zu ziehen und wertvolle Inspirationen zu sammeln. Der Direktor der Prager Nationalgalerie wird in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden unter anderem eine Diskussion leiten, die von dem Projekt „Artist Rooms“ der britischen Tate Gallery inspiriert ist. Ziel dieses Projekts ist es, die Kunst über die zentralen Museen und Galerien hinaus in die einzelnen Regionen zu bringen.

„Die Idee, einen Tag lang mit der Generaldirektorin einer so renommierten Institution wie den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden den Arbeitsplatz zu tauschen, hat mich begeistert und ich danke dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds für diesen Impuls. Im Rahmen der Arbeitsgespräche möchten wir uns unter anderem auf unsere Aktivitäten in der sächsisch-böhmischen Grenzregion konzentrieren. Ich glaube daher, dass es uns gelingen wird, weitere gemeinsame Projekte zu planen“, so Jiří Fajt, Generaldirektor der Nationalgalerie Prag. Fajt wird Marion Ackermann zu einem Gegenbesuch in seiner Prager Wirkungsstätte einladen.

Weitere Veranstaltungen zum zwanzigjährigen Jubiläum des DTZF, der sich für Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen einsetzt, finden am 1. und 2. Juni in Anwesenheit bedeutender Persönlichkeiten aus Politik und Kultur Deutschlands und der Tschechischen Republik statt.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind einer der bedeutendsten und ältesten Museumskomplexe der Welt und umfassen gegenwärtig 15 Museen in Dresden, Leipzig und Herrnhut. Weitere zu den Staatlichen Kunstsammlungen gehörende Einrichtungen sind der Kunstfonds, das Gerhard-Richter-Archiv und die Kunstbibliothek. Den Grundstein für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bildeten die im 16. Jahrhundert angelegten Sammlungen der sächsischen Kurfürsten, insbesondere die 1560 im Dresdner Residenzschloss eingerichtete Kunstkammer. Ihren besonderen, bis heute sichtbaren Charakter erhielten die Dresdner Sammlungen jedoch erst im 18. Jahrhundert dank des erlesenen Geschmacks zweier Fürsten: Augusts des Starken (1670–1733) und seines Sohnes August III. (1696–1763). August der Starke erweiterte die Sammlungen systematisch. Erwähnenswert ist, dass er eine besondere Vorliebe für Porzellan und Kleinodien hegte. Um 1720 wurden unter seiner Regie die ersten Spezialsammlungen angelegt, zu denen unter anderem das Grüne Gewölbe, die Skulpturensammlung und das Kupferstichkabinett gehören. Seinem Sohn ist insbesondere die Erweiterung der Gemäldegalerie zu verdanken, die durch systematischen Erwerb ganzer Werksammlungen und Werkkomplexe Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Galerien Europas wurde. Die Dresdner Sammlungen gehörten zudem zu den ersten, die zumindest teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Im Jahr 2020 feiern sie ihr 460-jähriges Jubiläum.


Die Národní galerie (Nationalgalerie) Prag verfügt über eine der größten bildkünstlerischen Sammlungen in der Tschechischen Republik. Sie kann auf eine über 200-jährige Tradition zurückblicken und bietet einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der Kunst auf dem Gebiet Tschechiens sowie über wesentliche Aspekte des mitteleuropäischen, europäischen und weltweiten künstlerischen Geschehens. Gemäß ihrer Satzung befasst sie sich mit der Sammlung, Erfassung, Erforschung, Ausstellung, Publikation und Vermittlung von Werken aller bildkünstlerischen Genres von der Antike bis zur Gegenwart. Die Mission der Prager Nationalgalerie besteht darin, das Interesse an bildender Kunst und visueller Kultur anzuregen, zum Verständnis dieser Kunst beizutragen und auf nationaler wie internationaler Ebene zum Nachdenken über sie zu inspirieren. Sie verdeutlicht und festigt daher den Stellenwert von bildender Kunst und visueller Kultur im Wertesystem der sich globalisierenden Gesellschaft, trägt auf diese Weise zur Entwicklung der kreativen Fähigkeiten von Individuen bei und bereichert somit die gesamte Gesellschaft. Hierbei soll auch die positive Wahrnehmung von kultureller Vielfalt sowie die Entwicklung eines Sinns für Toleranz und Verständigung gefördert werden.


Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds feiert in diesem Jahr seine 20jährige Tätigkeit, die zum einen der Reflexion der schwierigen deutsch-tschechischen Geschichte gewidmet war, sich aber vor allem auf die dynamische Gegenwart und Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen richtete. Mit knapp 57 Millionen Euro für mehr als 10.300 gemeinsame Projekte hat der Fonds zum Bau von Brücken zwischen Tschechen und Deutschen beigetragen. Er hat die Menschen beider Länder zusammengeführt und ihnen gegenseitige Einblicke in ihre Lebenswelten, Kultur und Geschichte ermöglicht.

Mehr als ein Drittel der Fördermittel gingen in den Bereich Schule und Jugend, etwas weniger als ein Drittel in kulturelle Projekte und ein weiterer Teil kam der Unterstützung von Gemeinde- und Vereinspartnerschaften, Dialogforen und fachlichem Austausch zugute sowie der Renovierung von Baudenkmälern, der Herausgabe von Publikationen und der Förderung von Sozialprojekten für nationale und andere Minderheiten. Dem Fonds ist es so gelungen, die deutsch-tschechische Zusammenarbeit von der Ebene politischer Deklarationen und Expertenverhandlungen in eine lebendige Realität zu verwandeln, die den Alltag der Menschen auf beiden Seiten der Grenze um viele Aspekte bereichert. Eine Reihe der gemeinsamen Projekte wäre ohne die Unterstützung des Fonds nicht zustande gekommen und könnte auf lange Sicht nicht bestehen. Der Zukunftsfonds ist so ein wichtiger Förderer von Kultur und Bildung beiden Ländern und hatte nach seiner Gründung auch einen maßgeblichen Anteil an der Entschädigung tschechischer NS-Opfer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dateien zum Herunterladen

 
zurück
 
 
Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds