Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
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Ausstellung über die Schicksale tschechischer NS-Zwangsarbeiter erstmals in Österreich zu sehen

 
 

Pressemitteilung, 10. Oktober 2018

 

(Wien) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds eröffnet heute Abend in Zusammenarbeit mit der Prager Organisation Živá paměť in der Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte der Universität Wien die Ausstellung Im Totaleinsatz: Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich / mit Erweiterung um Zwangsarbeit auf österreichischem Gebiet.

Ziel der Ausstellung ist es, Zwangsarbeit aus der Perspektive von Zeitzeugen näher zu bringen und insbesondere bei jungen Menschen Interesse für deren Schicksale zu wecken.

Anhand von mehr als 300 überwiegend persönlichen Dokumenten, Fotografien, Briefen, Tagebüchern und weiteren Archivmaterialien, die größtenteils aus privaten Sammlungen von ehemaligen Zwangsarbeitern stammen, erinnert die bereits in mehreren deutschen Städten präsentierte Ausstellung an das Schicksal von mehr als 450.000 Tschechen, die während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich deportiert wurden.

„Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit standen und stehen immer einzelne Menschen – sei es bei der Zwangsarbeiterentschädigung als auch bei der Erinnerung an das schwere NS-Unrecht“, so Tomáš Jelínek, tschechischer Geschäftsführer des Fonds. „So ist diese Ausstellung einerseits eine Hommage an die Opfer des Nationalsozialismus, gleichzeitig aber auch eine nach wie vor aktuelle Warnung an uns alle, wie schnell Andere zu Menschen zweiter Klasse werden können.“ 

An der Vernissage der Ausstellung, die vom Tschechischen Zentrum Wien unterstützt wurde, nehmen auch Familienangehörige von Zwangsarbeitern teil – unmittelbare Augenzeugen ihrer Verfolgung oder Angehörige der Nachfolgegeneration.

„Wir sind froh, durch die Präsentation unserer Ausstellung in Wien auch den österreichisch-tschechischen Dialog zu diesem Thema zu unterstützen“, sagte Petra Ernstberger, die deutsche Geschäftsführerin des Zukunftsfonds.

Für die Schau in Wien wurde die Ausstellung maßgeblich erweitert und um eine Reihe neuer Dokumente und Zeugnisse ergänzt, die das Schicksal der rund 80.000 Tschechen beleuchten, die zur Zwangsarbeit auf dem Gebiet der damaligen „Ostmark“ eingesetzt waren. Konkret wird in der Ausstellung etwa an die Zwangsarbeit von Tschechen in Wien, Linz, Steyr, Enzesfeld und weiteren Zentren der Waffenindustrie erinnert sowie an junge tschechische Landwirte, die zum Bau des so genannten Südostwalls gegen die anrückende Rote Armee eingesetzt wurden oder an die Häftlinge in Arbeitserziehungslagern auf dem Gebiet des heutigen Österreich.

 

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds feiert in diesem Jahr seine 20jährige Tätigkeit, die zum einen der Reflexion der schwierigen deutsch-tschechischen Geschichte gewidmet war, sich aber vor allem auf die dynamische Gegenwart und Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen richtete und richtet. Mit knapp 57 Millionen Euro hat der Fonds seit seiner Gründung mehr als 10.300 gemeinsame Projekte gefördert, die die Menschen beider Länder zusammenführen und ihnen gegenseitige Einblicke in ihre Lebenswelten, Kultur und Geschichte ermöglichen und vertiefen. Dadurch hat der Fonds zum Bau von Brücken zwischen Tschechen und Deutschen beigetragen.

Mehr als ein Drittel der Fördermittel ging in den Bereich Schule und Jugend, etwas weniger als ein Drittel in kulturelle Projekte und ein weiterer Teil kam der Unterstützung von Gemeinde- und Vereinspartnerschaften, Dialogforen und fachlichem Austausch zugute sowie der Renovierung von Baudenkmälern, der Herausgabe von Publikationen und der Förderung von Sozialprojekten für ethnische und andere Minderheiten. Dem Fonds ist es so gelungen, die deutsch-tschechische Zusammenarbeit von der Ebene politischer Deklarationen und Expertenverhandlungen in eine lebendige Realität zu verwandeln, die den Alltag der Menschen auf beiden Seiten der Grenze um viele Aspekte bereichert. Eine Reihe der gemeinsamen Projekte wäre ohne die Unterstützung des Fonds nicht zustande gekommen und könnte auf lange Sicht nicht fortgeführt werden. Der Zukunftsfonds ist so ein wichtiger Förderer von Kultur und Bildung in beiden Ländern und hatte nach seiner Gründung auch einen maßgeblichen Anteil an der Entschädigung tschechischer NS-Opfer.

 

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
Tel: +420 273 167 361
GSM: +420 737 505 790
E: silja.schultheis@fb.cz

www.zukunftsfonds.cz
www.bruecke20.cz
 

 

Tschechischer Zwangsarbeiter in Kapfenberg, © Archiv Živá paměť
Tschechischer Zwangsarbeiter in Kapfenberg, © Archiv Živá paměť
Tschechischer Zwangsarbeiter in Kapfenberg, © Archiv Živá paměť
Tagebuch aus der Zwangsarbeit , in der Ausstellung im Original zu sehen © Stanislava Zvěřinová - Erbin
Tagebuch aus der Zwangsarbeit , in der Ausstellung im Original zu sehen © Stanislava Zvěřinová - Erbin
Tagebuch aus der Zwangsarbeit , in der Ausstellung im Original zu sehen © Stanislava Zvěřinová - Erbin
Zwangsarbeitslager in Kapfenberg, © Archiv Živá paměť
Zwangsarbeitslager in Kapfenberg, © Archiv Živá paměť
Zwangsarbeitslager in Kapfenberg, © Archiv Živá paměť
Essensmarken eines Zwangsarbeiters in Enzesfeld, © Archiv DTZF
Essensmarken eines Zwangsarbeiters in Enzesfeld, © Archiv DTZF
Essensmarken eines Zwangsarbeiters in Enzesfeld, © Archiv DTZF
Lager-Ausweis für Zwangsarbeiter, © Archiv DTZF
Lager-Ausweis für Zwangsarbeiter, © Archiv DTZF
Lager-Ausweis für Zwangsarbeiter, © Archiv DTZF

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